Friedrich Wilhelm Karl Grüttner

Vorweg ich habe meinen Großvater nie kennengelernt. Er starb 5 Jahre vor meiner Geburt und hatte davor keinen Kontakt mehr zu meiner Familie. Ich versuche alle Fakten neutral zu beurteilen, auch Aussagen diverser Personen genau zu hinterfragen, damit ein möglichst objektives Portrait von meinem Großvater entsteht.

Biografie

Alter Datum Ereignis Beschreibung
-17 25.04.1889
Donnerstag
Heirat seiner Eltern Oscar Alfred Felix Grüttner aus Jauer und Caroline Alwine Johanne Mathilde Marie geb. Henze (genannt Mary) in Pyrmont [1]
-16 15.08.1890
Freitag, 1515 Uhr
Geburt seiner Schwester Martha Agnes Margarethe Julie in Pyrmont in Pyrmont [2]
-12 27.06.1894
Mittwoch
Geburt seines Bruders Herbert Friedrich in Kissingen [3, 23]
0 25.03.1907
Montag, 2115 Uhr
Geburt in Hildburghausen / Kr. Meiningen. Seine Eltern wohnen derzeit in der Coburger Straße 24. Diese Adresse liegt direkt am Schlosspark. [4]

Am 1. Februar 2015 lag Hildburghausen auf der Strecke. So nutzte ich die Gelegenheit um den Geburtsort meines Großvaters zu besuchen. Die Enttäuschung war groß. Ich wusste bereits, dass sich auf dem Gelände des alten Gaswerks ein Supermarkt erbaut wurde. Leider musste ich feststellen, dass statt dem Geburtshaus sich nun ein Glas-Stahl-Bürokomplex der Thüringer Energienetze befindet.

Ich schaute mich etwas um. Die Gegend ist sehr schön. Der Schloßpark ist sehr idylisch. Auf dem Marktplatz reihen sich die alten Fachwerkhäuser. Ich sah zum Sonntag kaum Menschen. Ich hatte trotz Hunger unterwegs auf das Essen verzichtet. Ich wollte in Hildburghausen in einem schönen alten Restaurant das Essen genießen, vielleicht wo meine Familie einst aß. Das gestaltete sich schwieriger als gedacht. Ein geöffnetes Restaurant fand ich erst dank einer einer netten Einheimischen. Ich landete beim Griechen!
71914Volksschule Bous an der Saar [5, 23]
81915Beginn Mittelschule in Gernrode / Harz [5]
101917Beginn Gymnasium in Quedlinburg / Harz [5]
171924Abschluss Obersekundar (10.Klasse), Beginn seiner Lehre bei der Bank Aschersleben [5]
ca. 1924lernt seine zukünftige Frau Ingeborg in Gernrode kennen, die ihn aber dort noch abweist [6]
19Herbst 1926Abschluss als Bankbeamter bei der Bank Aschersleben [5]
Sommer 1926Eintritt in die NSDAP der Ortsgruppe Gernrode [5]
1 Jahr kaufmännisch volontiert [5]
Anfang 1927Umzug nach Leipzig, Austritt aus der NSDAP [5]
23 1930 Auf Wunsch des Generalvertreters der Firma Sichelwerke AG Hannover tritt er erneut in die NSDAP ein. Die Inhaber waren nicht rassenrein. Sie baten ihn deshalb der Partei beizutreten, um den Makel etwas aufzuheben. [5]
24 25.05.1931
Montag
Tod seiner 63 jährigen Mutter durch Schlaganfall in Gernrode. Sie wurde in Quedlinburg eingeäschert.
1931Angestellt als Reisender bei der Firma Max Kröhl, Leipzig C1, Ostplatz 5 part. [5]
251932Selbstständiger Handelsvertreter in chem. techn. Artikeln, Generalvertreter der Sichelwerke [5]
24.01.1932
Sonntag
Tod seiner 37 jährigen Bruders Herbert in Leipzig
Nach dem Tod gab es einges Wirrwar um die Erbschaft. Sein Vater wusste nicht ein mal, dass er ein Erbe ist und kam in Erklärungsnot, die Erbschaft auszuschlagen, da der Termin bereits verstrichen war. Seine Frau, sein Bruder schlugen ebenfalls das Erbe aus.
30.07.1932
Samstag
in Sachen Erbschaft/Handelsregistereintrag erscheint er beim Amtsgericht. Seine Adresse ist Leipzig C1, Johenzollernstr. 3. Sie ist eine Anliegerstraße zur Oststraße und heißt heute Volckmarstraße. Das Haus mit der Nummer 3 gibt es nicht mehr. In welcher Etage er dort wohnte ist nicht bekannt. Das Haus ist seit Generationen im Besitz der Buchbinderfamilie Haselbauer. Vll. kam er dort unter. (Hinweis: vor 1906 war Reudnitz ein Vorort von Leipzig, sprich es gibt ein extra Häuserverzeichnis).
26 1933
wohnhaft in Leipzig o5 , Heinrichstraße 40. Dort bleibt er bis 1935 wohnen. [12]

Ob Fr. Wilhelm Grüttner nun in der 1. oder 3. Etage wohnte, konnte ich nicht klar ermitteln. Die Wohnungen sehr hell, heutzutage mit Parkett belegt und haben hohe Decken. Parterre gibt es nur eine Wohnung, ansonsten 2 pro Etage. [22]
27 1934 Austritt aus der Kirche, da man ihn wegen eines kleinen Betrages (Kirchensteuer) sein Klavier gepfändet hatte. [5]
Mitglied bei der Deutsche Arbeitsfront (DAF), eine Art Gewerkschaft unter Hitler [5]
281935einwöchige Vergnügungsreise nach England [5]
ca. 1935Mitglied in Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV), die sich um bedürftige Familien kümmerte [5]
23.11.1935
Samstag
Heirat in Leipzig mit Irmintrud Gisela Ingeborg Regina Brune [14]
Sie wohnen in Leipzig, Lorckstraße 3 (Diese heißt heute Kurt-Günther-Straße.)
ab 1935Vertreter für Klebstoffe für Ferdinand Sichel AG, Hannover-Limmer und J.W.Cleff, Düsseldorf [12]
29 1936 Vergnügungs-Nordlandreise für 2 ½ nach Norwegen / Dänemark [5]
31 1938 [7]
01.08.1938
Montag
Aufenthalt in Scheßlitz bei Bamberg , Übernachtung im Bahnhofs-Hotel, Besuch der Badeanstalt.
32 01.04.1939
Samstag
Urlaub im Raupennest (Erzgebirge)
28.05.1939
Sonntag
Besuch in Bad Elster, Dr. Grahner, Frau Zillner, Ingeborg und Fr. Wilhelm Grüttner
[7]
01.09.1939
Freitag
Überfall auf Polen und damit Beginn des zweiten Weltkriegs
Sept. 1940 Er wird zur Armee eingezogen, stationiert in Mährisch Ostrau Heinrichsdorf und Alt Biela [7] bei der Luftwaffe unterster Dienstgrad Kanonier [8] dort stationiert waren leichte und schwere Flakbatterien, sowie mehrere Arbeits- und Erziehungslager der SS [9]
17.01.1941
Freitag
Meldung:
Sein Dienstgrad Kanonier (Erkennungsmarke -161-) bei 1.Batterie Flak-Abteilung 251 ( Reserve Flugabwehrkanonen-Abteilung 251 )
Reservelazarett II Bremen wg. Schallschädigung beider Ohren
Zugang: vom Krankenrevier Brinkum/Bremen
Abgang: am 14.02.1941 dienstfähig zur Nachschub-Ersatz-Abteilung 25 Ludwigsburg [13]
34 25.03.1941
Dienstag, 1145 Uhr
an seinem Geburtstag die Geburt seines Sohnes Jürgen Eberhard in Leipzig. Er wog 3 ½ Kg und ist 56cm groß [10]
02.04.1941
Mittwoch
Meldung:
Einsatz Ludwigsburg [13]
1941 Er arbeitet als Vertreter für die Herbig Haarhaus AG, Köln-Bickendorf, welche Lacke und Farben produziert. Sie Vertretungen u.a. in Frankfurt/Main und Werke in Wien, Paris und Berlin.
[21]
29.12.1941
Montag

35 Juli 1942 Er wird vom Wehrdienst entlassen. Im Entnazifizierungsschreiben Steht etwas von Ulcus duodeni ( Zwölffingerdarmgeschwür) [5]
35 Mai 1943 Besuch bei der Oma [7]
35 04.12.1943
Samstag
nach Totalschaden Umzug in die Glafeystrasse 13, Leipzig O27 [5]
An diesen Tag erfolgte ein schwerer Bombenangriff über Leipzig zwischen 3:58 und 4:14 Uhr. [19]
37 01.10.1944
Sonntag
Er wird erneut zum Wehrdienst eingezogen.
Fliegerhorstkommandantur A (ortsfest) 41/III
(Erkennungsmarke -556-)
Standort: Oschatz bis 31.10.1944
Versetzung zu einer Staffel nach Dänemark für ca. 10 Wochen [5]
37 Nov. 1944 Umzug innerhalb Leipzigs in die Oststrasse 55 part. [5]
38 08.05.1945
Dienstag
Ende des zweiten Weltkriegs
39 26.08.1946
Montag
Scheidung von Scheidung von Irmintrud Gisela Ingeborg Regina Brune Er wohnt bei seinem Onkel Julius Henze in Höxter/Weser, Marktstr. 4
24.01.1947
Freitag
Sorgerecht-Einspruch
wohnhaft Höxter/Weser(21 a), Wallstraße 8 part
41 Anfang 1949 ließ er sich auf eigenen Wunsch entnazifzieren.
Er wohnt der noch in Höxter / Wallstr. 8
42 21.05.1949
Samstag
Heirat mit 25 jährigen Johanna Emma Kolb (Henny oder Heddy genannt ) geboren am 23.06.1923 in Heusenstamm / Kr. Offenbach, Zuzug von Stuttgart
ab 04.05.1949 nach Düsseldorf / Kölnerstraße 20
43 01.01.1950
Sonntag
Geburt seiner Tochter H. E. in Düsseldorf
11.09.1950
Montag
Tod seines Vaters in Düsseldorf, als dieser ihn besuchte
W. Grüttner derzeit wohnhaft: Zietenstraße 5 / Düsseldorf. ca. 150 m vom Rheinufer entfernt
~ 47 um 1955 wohnhaft Düsseldorf, Tußmannstr. 34 [25]
um 1954/55 Rundreise am Rhein und Mosel mit seiner neuen Frau, deren Tochter und seinen Sohn Jürgen
~ 49 um 1956 Aufenthalt im Sanatorium. Er ist gesundheitlich angeschlagen und verwehrt seinen Sohn den Besuch, weitergehend soll seine Exfrau für ihn eine Lehrstelle besorgen.
52 1959 Er oder eine Firma, für die er arbeitete, hatten ein Büro in Berlin. Sein Sohn bekam ab und zu Geld von seinem Vater. Er traf aber wohl dort nur Angstellte, die im das Geld auszahlten.
55 04.06.1962
Montag
Umzug von der Humboldtstraße 74 in Düsseldorf nach Büderich (Kreis Meerbusch bei Düsseldorf) Friedhofsweg 11
59 31.07.1966
Sonntag
Sein Tod
... zum Anfang

Berichte und Erzählungen

Überlieferung der Aussagen seiner ersten Frau Ingeborg geb. Brune

Ihr Sohn wurde im Hotel "Brauner Hirsch" in Gernrode gezeugt. Diese lapidare Aussage zeigt, dass Fr. Wilhelm Grüttner, wie auch später in Höxter, das Hotel bevorzugte anstatt bei den Gastgebern, in dem Fall die Schwiegermutter Getrud Brune geb. Kaese, zu übernachten.

... zum Anfang

Erinnerungen von W. Henze, Enkel von Julius Henze

Nach langem Suchen im Internet und Nachfragen in Höxter, fand ich doch noch einen Nachfahren der Familie Henze. Im Telefonat erzählte er mir, dass Friedrich Wilhelm Karl Grüttner als Kind noch persönlich kennenlernte. So besuchte er mit seiner neuen Familie (Johanna Kolb und Tochter H. ) ab und an zu Feierlichkeiten der Familie Henze. Sie nahmen sich immer ein Hotelzimmer. Er hatte den Eindruck, dass die Familie immer mehr sein wollte als sie war

Nach seiner Aussage soll Johanna Emma Grüttner geb. Kolb mit ihrer Tochter H. nach dem Tod ihres Mannes nach Spanien / Teneriffa gezogen sein. Das klingt recht weit hergeholt für eine bodenständige Familie. Als um das Grundstück in Magdeburg und damit verbundenen Restschuld von damals ging, musste ja auf mögliche Erben geprüft werden. Damals waren sie nicht auffindbar. Im späteren Gespräch verneinte ihre Tochter eine derartige Reise. Bei meinen Recherchen stieß ich auf einen Eduard Grüttner wohnhaft in Niederlössnitz bei Dresden - ca. 1838 geboren. Er reiste am 26.01.1909, der mit den Schiff "Kamerun" von Hamburg nach nach Madeira; Teneriffa; Las Palmas; Westafrika. Vll. war ist das nur Zufall. Oder brachte W. Henze hier etwas durcheinander?

... zum Anfang

Seine Vita

Er hatte einige Eigenheiten. So zog sich 3-mal am Tag ein blütenweises Hemd an und konnte sich die ganze Zeit ein Dienstmädchen leisten. Er soll musikalisch gewesen sein, spielte Klavier und konnte griechisch, Latein und etwas Französisch. Letzteres ist nicht verwunderlich. Die Familie wohnte zeitlang im Saargebiet.

... zum Anfang

Die Scheidung von seiner ersten Frau Ingeborg

Als Scheidungsgrund wird angegeben, dass er eine andere Frau in Bad Kissingen geküsst hätte. Er bekannte sich schuldig.

Einen Hinweis auf einen Aufenthalt nach 1944 in Bad Kissingen (Nähe Schweinfurt) fand ich nicht. Allerdings arbeitete ja sein Vater um 1900 in Bad Kissingen. Ihm war wichtig, bei wichtigen Erziehungsfragen seines Sohns Jürgen mitwirken zu können. Nach neusten Erkenntnissen pflegte seine Frau einen recht losen Lebenswandel. Ihr Sohn fand Briefe von ihren Liebhabern in der alliierten Zone. Er heirate bereits 3 Jahre nach der Scheidung erneut. Das ist kein großer Zeitraum um einen möglichen Zusammenhang auszuschließen.

... zum Anfang

Die Tochter aus 2ter Ehe, H. E. Grüttner

Nach den Recherchen und neuen Dokumenten aus Düsseldorf, konnte ich endlich seine Tochter aus 2ter Ehe ausfindig machen. Am 12.2013, 13:30 war es dann so weit, sie ging ans Telefon. Sie wusste bereits wer ich bin. Leider verlief das Gespräch ganz anders als erwartet. Sie meinte, ihr würde es nicht so gut gehen, sie wäre zu krank für so ein Gespräch mit mir.

Nachtrag vom 02.01.2015

Meine Mutti hatte mehr Glück und fand einen besseren Draht zu ihr als ich. So konnten wir doch etwas erfahren.

Kurz nach dem Besuch seines Sohnes Jürgen musste er sich einer schwerer Operation unterziehen. Wie damals üblich bekam er gegen die Schmerzen Morphium und wurde davon abhängig. Zu dem trank er Alkohol. Für seine Familie war es eine schlimme Zeit.

Seine Tochter H. hat starke Durchblutungsstörungen. Sie ist schwer krank und bezeichnet das als Erbe ihres Vaters, vermutlich hatte er auch damit zu kämpfen. Sein Sohn Jürgen musste sich deswegen ja auch mehreren Bypass-Operationen unterziehen.

Von seiner Ex-Frau Ingeborg geb. Brune erzählte er nichts gutes. Sie hätte ihn wohl eine kostbare Briefmarkensammlung andere wertvolle Dinge gestohlen und versetzt.

Männe war sehr musikalisch. Er spielte Klavier, verbot es jedoch seiner Tochter. Finanziell ging es ihm nicht mehr so gut. Sie hatten nur noch Sprelacart-Möbel. Wilhelm meinte, es kommen ihnen keinen echten Möbel mehr ins Haus. Die würden ja beim nächsten Krieg ohnehin nur verbrennen.

Woher die Familie Grüttner stammt wusste sie nicht konkret - in Erinnerung war ihr nur Schlesien. Als die Tochter H. ihre Mutter nach ihrer Familie fragte, blockte diese mit dem Kommentar ab "es wäre eine Familie von Selbstmördern, da brauchst Du nichts drüber zu wissen" Als die Tochter Lehrerin werden wollte und darum kämpfte, meinte ihr Vater, sie wäre wie eine Verwandte, die 1917 wegen der Oktoberrevolution schwindsüchtig aus Russland kam und sich auch das Leben nahm.

Sie kennt keinen weiteren Verwandte von Grüttner's Seite. Von Herbert's Kindern wusste sie nichts. Der Vater verschloss sich allen - es kam keine Verwandtschaft zu Besuch - er wollte mit der Vergangenheit nichts mehr wissen.

Dass ihr Vater in einem Internierungslager bei den Tschechen gewesen sein soll, davon wusste sie nichts. Ihr Vater wurde wütend, wenn jemand nach seiner Vergangenheit fragte. Das Thema war tabu.

... zum Anfang

Seine Rolle im Nationalsozialismus

Am 10.12.2013 erhielt ich seine Entnazifizierungsakte. Natürlich ist so eine Akte zugunsten des Beantragenden geschönt. Entgegen der Aussagen er hätte nie das Parteiabzeichen getragen, ist es doch auf ein paar Bildern zu sehen ;-). Seine Ex-Frau Ingeborg hatte nach Kriegsende viel Negatives über ihn erzählt, so wäre er ein hoher Nazi und ein glühender Fan von Adolf Hitler gewesen und er hatte das goldene Parteiabzeichen gehabt. Ganz unwahr sind die Aussagen nicht. Laut der Akte trat er im „jugendlichen Eifer“ 1926 in die Partei ein, aber 1927 bereits wieder aus.

Ab 1930 trat er auf Wunsch der nicht „rassenreinen“ Inhaber der Sichelwerke, deren Vertreter er war, wieder ein. Wie vermutet erhielt er wegen der langen Parteizugehörigkeit das goldene Parteiabzeichen. Viele Freunde/Geschäftspartner (z.B. Max Kröhl, Horst Pusmentirer, Dr. Walter Dux) von ihm waren Juden oder Halbjuden. Trotz, dass er Anfeindungen ausgesetzt war, hielt er den Kontakt. Bei seinem Entnafizierungsverfahren 1949 konnte er durch seine Loyalität einen guten Leumund vorweisen. So sprach sich z.B. der Direktor der Sichelwerke Oskar Wilhelm für ihn aus. Ein weiterer Leumund ist der Geschäftsfreund Kurt Lang, wohnhaft Leipzig O5, Friedrich Dittestr. 10 . (Bisher konnte ich sein Geschäftsfeld nicht ermitteln)
Interessant war der beiliende Fragebogen. So erhielt ich doch einige Informationen zu seinen Werdegang, Reisen, Kontakten und Einkünften bis 1945.

... zum Anfang

Verhältnis zum Sohn Jürgen

Jürgen Grüttner soll seinen Vater nur 2-mal getroffen haben. Beim ersten Mal bezog er gleich Prügel, weil er als Kind (6-7Jahre alt) bei einer "physischen Erkundungstour";-) mit seiner Freundin erwischt wurde. Beim zweiten Mal unternahmen sie eine ca. 3 wöchige Rundreise an Rhein und Mosel, wobei er seinen ca. 15 jährigen Sohn neu einkleidete u.a. einen Anzug schenkte. Er sollte wohl die Familie besser kennenlernen.

Er plante seinen Sohn zu sich zu holen. Mit seiner neuen Halbschwester Helga verstand er sich gut. Ein weiteres Treffen sollte in Berlin stattfinden. Allerdings ließ sich der Vater oft verleugnen, als der Sohn Geld von ihm wollte. Ab und an übergab Sekretärin seines Vaters zwischen 30-50 DM, selten „erwischte“ Jürgen seinen Vater selbst. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn kühlte so nach und nach ab. Jürgen, vermutlich von seiner Mutter in einer falschen Vorstellung von seinem Vater gelassen, schrieb er sehr böse Briefe an seine Halbschwester. Als sein Vater starb wurde er nicht im Testament erwähnt, soweit hatten sie sich entfernt.

Mein Vater wäre wohl in dem Glauben gestorben, das alles an dem ist, wie er gehört hatte, wäre meine Großmutter nicht nach Leipzig gezogen. Ca. 2004 wurde es für Ingeborg Grüttner geb. Brune (Ex-Frau von Fr. Wilhelm Grüttner) immer schwieriger alleine in der Wohnung in Bad Suderode ( Harz ) zu leben. Sie war ein Messi und hatte die Wohnung bis zur Decke mit Kisten bebaut. Viel Müll, aber zwischen den Müll fand man eben doch das eine oder andere wichtige Dokument. Teilweise versteckte sie Dinge zwischen einen Stapel mit Bettlaken. Man musste wirklich alles 3 mal anschauen, bevor man es wegwerfen konnte. So kamen Dokumente zum Vorschein, die mein Vater hätte besser nicht lesen sollen. Mein Bruder erinnert sich noch, wie die Farbe aus seinen Gesicht glitt.

  • so hatte sie Briefe von seinem Vater an ihn versteckt, so dass Jürgen davon ausgehen musste, dass sein Vater kein Interesse mehr an ihm hatte.
  • ihr Rumposaunen dass Fr. Wilhelm Grüttner ein großer Nazi gewesen wäre, verschloss ihm so manche Tür bei der Ausbildung. Später kam heraus, dass sie zeitnah das Entnazifizierungsschreiben von Fr. Wilhelm Grüttner erhalten hatte.
  • Seine Mutter war während seiner Kindheit oft unterwegs - vermeintlich wegen ihrer Arbeit. Er war regelrecht schockiert als er Brief von und an die Liebhaber seiner Mutter fand, die sie wohl häufiger besuchte.

Nach dem Umzug ging es Ingeborg Grüttner geb. Brune in Leipzig zunehmend schlechter. Sie wurde kurz darauf dement und musste ins Pflegeheim. Für den Sohn war es schwierig, er konnte sich weder mit seinen verstorben Vater versöhnen, noch mit seiner dementen Mutter auseinandersetzen.

Er war so wütend auf sie, dass er ihren Wunsch nach einen Begräbnis verweigerte, als sie starb. Sie wurde verbrannt und bekam einfachste Urnenbestattung auf dem Friedhof in Leipzig/Wahren. Er äußerte selbst den Wunsch, nicht neben DIESER Frau begraben zu werden. Als er starb, wurde er in Leipzig/Paunsdorfer Friedhof beigesetzt.

... zum Anfang

Recherche

Scheßlitz, Bad Lausick

In den Album meiner Großmutter fand ich Fotos von Reisen und Ausflügen von Fr. Wilhelm Grüttner und seiner Frau Ingeborg Brune, manchmal auch mit Johanna Kröhl.
Über den Zweck der Reisen kann ich nur spekulieren. Vielleicht wollte man nur einen schönen Tag in der Natur verbringen oder Freunde, Geschäftspartner besuchen... oder doch die Verwandtschaft ? So machte ich mich auf die Suche mit dem auf die Namen Grüttner, Kröhl, Lohse, Kaese, Brune.

Bad Lausick (früher Lau(s)sigk / Laußig ), Scheßlitz ist ein beliebtes Ausflugsziel und durch den Anschluss an der Bahnstrecke Leipzig–Geithain um 1887 [24] auch gut zuereichen. Aber was machte die Familie in Scheßlitz bei Bamberg. Durch Zufall stieß ich auf einen Adressbuch des Deutschen Reiches 1907 , in Bayern unter Scheßlitz auf den Arzt Dr. Gustav Kröhl. Vielleicht war der Besuch in Bad Lausick mehr als nur ein Ausflug ins Grüne. Hellhörig geworden suchte ich weiter und fand tatsächlich viele Einträge in den "Kriegsranglisten und -stammrollen des Königreichs Bayern, 1. Weltkrieg 1914-1918"
Dr. Hermann Gustav Kröhl wurde am 8.12.1866 in Bad Lausick geboren, ging auf die Landesschule in Grimma und wohnte später in Scheßlitz. Er war der Sohn vom Kaufmann (Pusamentier) Karl Hermann Kröhl und Auguste geb. Bachmann Er heiratete Margeretha Theresia geb. Heller, genannt Meta und hatte 3 Kinder, davon mindestens 2 Söhne. 2 Kinder verstarben. Sein Sohn Georg Gustav Kröhl wurde 22.10.1896 in Ilsfeld bei Heilbronn geboren wohnte während des ersten Weltkriegs in Bamberg. Er war bei Schlacht bei Verdun dabei , erkrankte an einer Gasvergiftung. Über den Verbleib nach dem Krieg ist nichts bekannt. Da meine Familie beide Orte besuchte, ist eine Verbindung sehr wahrscheinlich.
Neben Gustav Kröhl fand ich in den Fliegenden Blättern Band 55 aus dem Jahre 1872 einen Hermann Kröhl aus Lausigk verzeichnet. - vielleicht der Vater von Dr. Gustav Kröhl.

... zum Anfang

Klosterlausnitz

Das Bild mit Monika in Klosterlausnitz am 12. September fällt auf den 72. Geburtstag von Oskar Grüttner.
Der 1.Mai ist der Geburtstag des verstorbenen Louis Henze, dem Großvater mütterlicherseits von Fr. Wilhelm Grüttner, ist zu dem ist es auch Feiertag, der durchaus zu Ausflügen einlud.

Das dritte Bild fand ich noch mal einzeln mit der Inschrift
Tanta Hanna und Fips
Klosterlausnitz 1936
Hotel zur Köppe
Familie Prüfer

Familie Prüfer führte damals das Hotel.

Im Adressbuchg von Eisleben 1925, welches Klosterlausnitz enthält, fand ich nichts leider keinen bekannten Namen.

... zum Anfang

Wittenberg

Arnolds Garten brachte leider auch nichts Neues zutage. Ich fand 4 Arnold im Adressbuch. Interessant erschien mir der Kaufmann Oskar Arnold in der Jüdenstr. 8 Im Adressbuch 1936 fand ich weder Kaese,Brune noch Grüttner, aber den Former (Metallarbeiter) Gustav Kröhl und viele verschiedene Lohse und über eine Ahnenforschungsseite noch Elisabeth Pauline Clara Schrötter geb. Grüttner (*29.06.1861 Buschen/Wohlan,+ 10.09.1935 Wittenberg), Tochter vom Georg Heinrich Oskar Grüttner (*24.02.1831 Schreitz/Breslau, +18.12.1895 Heinrierau) und Pauline Agnes Elisabeth Pusch (12.03.1837 - 11.09.1925). Das muss nichts bedeuten. Weiterhin fand ich eine Johanna Beate "Bertha" Grüttner aus (*12.12.1840 Langhelwigsdorf/Kr. Jauer, + 07.06.1907 in Ellinwood, Barton County, Kansas) die 1862 mit Carl August Schröter (*09.01.1834 Pömbsen, Höxter/+23.04.1901 ELLINWOOD, BARTON, KS, USA) heiratete. Die meisten Kinder vor der Auswanderung 1895 wurden in Jauer bei Posen geboren. Pyrmont liegt in der Nähe von Höxter. Ist das eine Spur ?

... zum Anfang

Dr. Grahner und Frau Zillner

Im Adressbuch von Bad Elster 1906, sowie 1929/30 konnte ich weder Zillner noch Grahner finden. Vermutlich war man zur Erholung dort. Auffällig ist das Parteiabzeichen an Dr. Grahners Anzug, vielleicht kannte man sich darüber. Ein Dr. Grahner ist als Arzt in Schwarza/Thüringen im "Reichs-Bäder-Adressbuch, 1928" verzeichnet.

... zum Anfang

Eberhard Weithöner

Er ist vermutlich der Namensgeber für den zweiten Vornamen meines Vater Jürgen Eberhard Grüttner. Auf anderen Bildern steht der Zusatz aus Düsseldorf. [7] Ich fand einen Eintrag über die Zulassung zum Einjährig-Freiwilligen Militärdienst. [17] Diese erhielt man erst mit Abschluss der Obersekundareife (vergleichbar dem Abitur). Das heißt er wurde um 1890 geboren. In den Adressbuch 1920 steht, dass er Vertreter Gustav , Hamburg ist. Die Gustav Ruth AG Wandsbek ist eine chemische- und Lackfabrik. Ab 1933 ist er als Direktor in Adressbüchern vermerkt. [18]

... zum Anfang

Horst Pusmentirer

Sohn eines Fabrikanten (chemische Industrie, wohnte ebenfalls in der Lorckstr. ) Er selbst ist Leiter der landeseigenen Betriebe Hartpapierwerk Leipzig O27 und Groitzsch. Als Jude wird er nach 1941 ins Konzentrationslager deportiert. Er überlebt den Krieg und ist bei der Entnazifizierung ein wichtiger Leumund für Fr. Wilhelm Grüttner.

... zum Anfang

Herbert Henze

Vermutlich sein Cousin, der Sohn von Julius Henze, dem Bruder seiner Mutter

... zum Anfang

Johanna Kröhl

Sie ist auf vielen anderen Bilden zu sehen, u.a. in Wittenberg. Sie wird Hanna gerufen. Vermutlich ist sie die Tochter von Rudolph Max Kröhl. 1914 fand ich den ersten Eintrag im Deutschen Bühnen-Jahrbuch. 1931-1932 wohnte sie mit Herbert Fr. Grüttner ( Bruder von Fr. Wilhelm) in Leipzig in der Landsberger Straße 114 II. 1942 und 1943 wohnt sie in Leipzig Dresdner Straße 7 als kaufmännische Angestellte. Dort befand sich das Auguste-Schmidt-Haus, ehemaliges Vereins- und Veranstaltungshaus, welches 1915 [20] eröffnet und bei dem Bombenangriff am 4.12.1943 zwischen 3:58 und 4:14 zerstört wurde [19]. Ob sie dabei ums Leben kam ist unbekannt.

... zum Anfang

J.W.Cleff

Johann Wilhelm Cleff ist ein Kaufmann aus Düsseldorf. Er gründete 1849 eine Firma zur Herstellung und Vertrieb chemischer Präparate, die Zündhölzer produzierten. Ab 1902 handelte es sich um eine Lack- und Firnisfabrik. Betriebsschließung im Jahr 1906. [15,16]


... zum Anfang


Quellen

[1]Pyrmont Standesamt 1889, Nr. 4 (Lieferung Rainer Bien, Pyrmont, 2013)
[2]ev. KB Pyrmont 1890 Seite 235 Nr. 12 (Lieferung Rainer Bien, Pyrmont, 2013)
[3]Zufallsfund (2014) http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ulbdsp/periodical/pageview/5004364
[4]Standesamt 1907 Hildburghausen Nr. 41,
Familienstammbuch vom Sohn Jürgen Grüttner,
seine Geburtsurkunde ( Auszug 1934, 1988 )
[5]Entnazifierungsschreiben vom 8.3.1949 (Eingang 2013)
[6]Aussagen von Helga Grüttner geb. Müller (2013)
[7]Bilder aus dem Fotoalbum seiner ersten Frau Ingeborg Grüttner geb. Brune
[8]Uniformzuordnung per http://www.wehrmacht-lexikon.de
[9] http://www.ww2.dk/ground/flak/abt/ers25.html
http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Kasernen/Protektorat/KasernenOstrau-R.htm
[10]Standesamt Leipzig IV, Geburtsurkunde 1941 Nr. 33
[11]Unser Kind - Ein Merk und Tagebuch - Jürgen Grüttner
[12]Adressbücher von Leipzig unter
http://adressbuecher.sachsendigital.de/startseite/
http://ancestry.de
[13]Antwort der Deutschen Dienstelle (WASt) am 17.03.2014 auf Anfrage am 15.04.2013
( Hinweis: Meldungen erfolgten u.U. bis 3 Monate nach dem eigentlichen Ereignis )
[14]Standesamt Leipzig II, Heiratsschein 1935 Nr. 1928
[15]Adressbuch von Düsseldorf 1889
[16]http://gerricus.beepworld.de/duesseldorf01.htm
[17]http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ulbdsp/periodical/pageview/3763356
[18]Telefon und - Adressbücher von Düsseldorf
TB 1920 / AB 1933, 1937 unter http://ancestry.de
AB 1914 unter http://wiki-de.genealogy.net/D%C3%BCsseldorf/Adressbuch_1914
AB 1934 unter http://wiki-de.genealogy.net/D%C3%BCsseldorf/Adressbuch_1934
[19] http://www.historicum.net/themen/bombenkrieg/themen-beitraege/staedte-regionen/art/Angriffsziel_H/html/ca/45294864b6/?tx_mediadb_pi1
http://www.heimat-leipzig.de/main/index.php?id=76
[20]http://www.leipzig-lexikon.de/reg/ar.htm
[21]http://de.wikipedia.org/wiki/Herbol
[22]eigene Besichtigung vor Ort 2014
[23]Festschrift zum 100jährigen Jubiläum des Herzogliches Gymnasium Georgianum in Hildburghausen, Teil 2
[24]http://de.wikipedia.org/wiki/Bad_Lausick
[25]Adressbuch Düsseldorf 1955
... zum Anfang
letzte Änderung Donnerstag, den 21. July 2016, 13:04 Uhr