Epilog

Warum ?

Als ich mit diesen Buch und der Ahnenforschung anfing, meinte mein Bruder Ronny „er hätte zwar Respekt vor meiner Arbeit, aber die Ahnen hätten nichts damit zu tun, wie er jetzt lebt - wie er sein Leben gestaltet.“ Recht hat er, doch warum tue ich mir hier das trotzdem an…

Würdigung meiner Ahnen

Jeder der Kinder hat, weiß wie schwer es ist, alle gesund durchzubringen, ihnen Charakter zu geben und Bildung zu ermöglichen, verbunden mit der Hoffnung dass sie das später an ihre Kinder weitergeben. Hinter jeder Person steht ein mehr oder weniger beschwerliches Leben. Einige haben es sinnlos vertan, andere ihren Nachkommen ein besseres Leben ermöglicht.

Bewahren der Familiengeschichte

Meinen Vorfahren wird hier die Möglichkeit zu gegeben, dass ein kleines Stück von ihrem Leben erhalten bleibt, sei es nur ein kleines Bild oder eine Geschichte. Wenn man ehrlich ist, gehen die Kinder nach dem Tod noch ein paar Jahre zum Friedhof um das Grab zu besuchen. Aber wer geht schon gerne zu Friedhöfen. Spätestens nach 10 Jahren ist man Vergangenheit und vergessen. Alles was man 60-80 Jahre lang erlebt und gemacht hat, interessiert niemanden mehr.

Die Frage nach der Herkunft

Ohne all die schicksalhaften Fügungen im Leben meiner Ahnen würde es mich vielleicht gar nicht geben oder ich würde anders Leben führen – an einen anderen Ort, mit anderen Mitteln zu einer anderen Zeit. Hätte nur ein Urahn einen anderen Lebensweg gewählt, was wäre dann wohl passiert?

Die Suppe mit den Genen - die Grundzutaten des Lebens

Wenn ich meine Kinder so anschaue, sehe ich oft Dinge von mir in ihnen – ihre Mimik, wie sie schlafen. Auch wenn der Lebensweg recht frei wählbar ist, hat die biologische Herkunft durchaus Einfluss, wie wir ticken.

Wie es anfing...

Im Fernsehen auf RTL-Living kam 2013 ein Sendung über einen Engländer, wissen wollte ob die Geschichten seines Vaters so stimmen. So begab er sich auf Spurensuche bis nach Hongkong.

Der väterliche Zweig

Meine Großmutter Ingeborg Grüttner geb. Brune erzählte mir als Kind viele sehr abenteuerlich klingende Geschichten. Von unglücklichen Lieben, Reichtum, Selbstmorden der Familie. Es klang eher nach einer amerikanischen Seifenoper als nach der Wahrheit. Mit Letzteren nahm sie es ohnehin nicht so genau.

Inspiriert von der Sendung wollte ich dem ganzen auf den Grund gehen. Meine Mutti gab mir alles was von ihr geblieben war. Die Bilder waren zu 80% Prozent unbeschriftet - die Dokumente in Kurrentschrift kaum leserlich. Inzwischen klappt es dank einiger Kurse im Internet mit der Kurrentschrift besser. Bei den Bildern kann ich nur hoffen, dass es sich anderweitig auflöst.

Wenn ich mit den heutigen Stand Bilanz ziehen müsste, würde ich sagen. In vielen Punkten hatte meine Großmutter wider Erwarten recht. An unglücklichen Lieben mangelt es nicht. Ihr Mann, ebenso ihr Vater ließen sich scheiden, ihre Mutter war ein uneheliches Kind. Ob unsere Familie richtig reich war, glaub ich eher nicht - gehobene Mittelschicht trifft es besser. Familie Kaese hatte mehrere Häuser in Magdeburg, eine Villa in Bad Suderode. Ihr Vater verdiente als Inspektor sicher auch nicht schlecht. Ihr Mann konnte sich als erfolgreicher Handelsvertreter doch einigen Luxus leisten.
Zu den Selbstmorden - nach bisherigen Erkenntnissen gab es wahrscheinlich mindestens zwei Suizide in der Familie. Die zweite Frau meines Großvaters W.F. Grüttner nannte uns gar eine "Familie von Selbstmördern". Leider konnte ich nicht ermitteln wer und warum bereit war, sein Leben wegzuwerfen.

Der mütterliche Zweig

Aus der Familie meines Vaters kannte ich ja nur seine Mutter. So ging war ich neugierig mehr zu erfahren. Mütterlicherseits kannte ich die Familie von den alljährlichen obligatorischen Veranstaltungen recht gut. Zu allen möglichen größeren Feierlichkeiten reisten wir aus Leipzig nach Groß-Drewitz, wo dann 30-50 Leute geladen waren. Die meisten Themen drehten sich um Verwandte, Leute aus dem Dorf, Krankheiten. Damit konnte ich damals als Heranwachsender naturgemäß wenig anfangen. Ab und an kam eine Tante zu mir und erkundigte sich pro Forma wie es in der Schule lief. Artig aßen wir die Torte und verkrümelten uns, sofern es ging.

Trotz nicht ganz so großer Begeisterung fing ich an zu forschen. Meine Tante Bärbel W. war zufällig zeitgleich auf die selbe Idee gekommen. Aus ihrer Feder stammen zahlreiche schön illustrierte Hefte über unsere Familienzweige Müller, Lehmann. Sie fragte im Dorf und in der Verwandtschaft nach Bildern und Informationen. 90% der Bilder stammen von ihr., wofür ich ihr unendlich dankbar bin.

Der Weg

Es gibt nun verschiedene Wege um Ahnenforschung zu betreiben. Die einen gehen möglichst weit in die Tiefe um möglichst viele Vorfahren zu ermitteln. Ich habe Ahnentafeln mit 2000 und mehr Vorfahren gesehen. Das empfinde ich als etwas oberflächlich. Mir reicht es nicht Geburts-, Heirats- und Sterbedaten zusammenzutragen. Sofern es möglich ist versuche ich zu jeder Person die Lebensumstände genauer zu beleuchten. So entstehen so nach und nach Personenblätter.