Panorama

Nach den ersten Gehversuchen, hier nun meine Erfahrung.

Technische Voraussetzungen

Kugelpanoramen

  • Stativ
  • Nodalpunktadapter
    Dieser muss Kugel-Panoramen unterstützen, d.h. um 180° vertikal drehbar sein. Es gibt jede Menge Selbstbau-Anleitungen im Internet. Die meisten basieren auf Winkeln und Panorama-Köpfen "Made in China", z.B. der Firma mengs. Einige Firmen bieten bereits vormontierte Nodalpunktadapter an, die auf diesen Komponenten basieren. Die Preise für so ein Komplettpaket liegen bei 140 Euro.
    In den Foren wird allerdings wenig Gutes berichtet, einige mussten die Panoramateller demontieren und nach ölen, bei anderen passte die Skala nicht. Mangels Erfahrung kann ich da nicht mitreden. Das Risiko wollte ich nicht eingehen.
    Ich habe mir den Reise-Nodalpunktadapter novaflex vr slim zugelegt. Er passt gerade so noch in meine Stativtasche. So habe ich ihn immer dabei. Er wiegt 750g, was an Mehrgewicht gerade noch akzeptabel ist. Dieser ist eigentlich für kleinere Kameras ausgelegt. Mit der Nikon D750 , dem Sigma 35 Art und dem Nikon 20 1.8g funktioniert er tadellos. Es gibt nur einen Nachteil. Der ganze Aufbau schwingt. D.h. nach jeder Drehung, muss ich erst mal 3 Sekunden warten, bis sich das ausgeschwungen hat. Da ich über qDslrDashboard fotografiere, habe ich die 3 Sekunden-Wartezeit gleich mit einprogrammiert.
  • Weitwinkel
    Ideal ist ein Fisheye. Es gibt einige die 180° abdecken. So benötigt nur wenige Bilder. Ich nutze mein 20 1.8g, muss damit 10 Aufnahmen * 3 Reihen machen + Zenit- und Nadirbilder. Ich bin mir aber sicher, dass bei Blende 8 mein 20er so manches Fisheye schlägt
  • Fernauslöser

Software

Die Wunschliste ist lang, was ich von einer Panorama-Software mir erhoffte. Zuerst sollte es unkompliziert meine zur 30% überlappenden Bilder einfach selbstständig stitchen können. Da ich bei bei Kugelpanoramen oft das Stativ auf dem Bild habe, sollte es maskieren können. HDR wäre klasse, das kann man aber auch vorher auf die Originalbilder anwenden.

Hugin

Ich kann gar nicht die Tutorials zählen, die ich mir antat, auch nicht die Stunden, die ich versuchte Marker neu zu setzen, die roten Verbindungslinien irgendwie zu grünen zu machen und scheiterte dann doch, weil der Blender nona abstürzte. Selbst einfache Panoramen mit 30% Überlappung eindeutigen Übergängen, bekam sie nicht ohne viel Nacharbeit hin. Fazit: Freie Software, dafür viele Stunden voller Frust. Lasst besser die Finger davon.

Image Composite Editor

Ebenfalls ein freies Tool. Es kann leider nicht per Interface maskieren (angeblich unterstützt es aber bei TIF den Alpha-Kanal, wurde von mir noch nicht getestet), dafür setzt es zu 80% meine Panoramen klaglos zusammen. Es kann nicht maskieren, man kann auch nirgends eingreifen. Schade, dass es nicht weiterentwickelt wurde. HDR klappt nicht. Das müsste man vorher von Bild zu Bild machen.

PtuGui Pro

Bereits die Demo-Version der Version 11 überzeugte. Die Oberfläche ähnelt die von Hugin. Leider kann nur die Pro – Version Maskieren. Für die besagte Version möchte man 236,81 €. Das war mir dann doch zu happig für gelegentliche Panoramen. Die Version 10 konnte ich etwas ausführlicher testen und wurde vom Platzhirsch negativ überrascht. Selbst ein Ideal-Panorama mit 30% Überlappung, vielen eindeutigen Strukturen bekam ich ein Panorama nicht ohne weitere Eingriffe hin. Selbiges Panorama wurde vom wesentlichen preiswerteren Panorama Studio Pro sofort sauber zusammengesetzt.

Autopano

Hier unterstützt die Pro-Version kein Maskieren. Die bessere Giga-Version ist über offizielle Kanäle für 239 € zu haben.

Panorama Studio Pro

Gute Version für einen schmalen Geldbeutel (nur 69€). Setzt problemlos (fast) alle Panoramen zusammen. Erlaubt Maskieren und nachträgliche Knotenbearbeitung. Auch wenn Panorama Studio pro kein HDR oder Templates unterstützt, so kann man relativ einfach die Bilder nach dem Alignment austauschen und könnte so auch Gesamt-Panoramen als HDR verarbeiten. Die Finger sollte man von der nachträglichen integrierten Bildbearbeitung lassen und lieber zu anderen Tools greifen (das Schärfen erzeugt hier gnandenlos einen Emboss-Effekt). Nicht zu vergessen, während andere Tools immer noch auf Flash setzen, was kaum noch ein Browser unterstützt, bietet das Panorama Studio einen HTML5 export für Webseiten an. Man sollte für das Geld nicht zu viel an Komfort erwarten. Hier mal eine Liste, was mir trotz toller Ergebnisse negativ auffiel.

  • keine Undo - Funktion
  • bei 2 Monitoren verschwinden Dialoge unwiederbringlich schon mal im Nirgendwo.
  • beim Erstellen und Speichern eines Panoramas wechselt die Software in ein anderes Verzeichnis, so dass die Projektdatei beim Speichern woanders landet.
  • Fortschrittsdialoge sind nicht gerade aussagekräftig. Er verarbeitet eben mal 20 Minuten Bilder (was er da tut ist nicht immer klar)

Probleme bei Kugelpanoramen

Der Kontrast / HDR

Bevor ich das Panorama umsetze, prüfe ich die Lichtverhältnisse. Dazu schalte ich meine Kamera in die Zeitautomatik ( feste Blende und variable Verschlusszeit), stelle die ISO auf fixen Wert (Automatik aus). Nun drehe ich mich am Standort im Kreis und suche mir hellsten Punkt (z.B. die Sonnenseite), fokussiere dahin und merke mir die Verschlusszeit, dann suche ich mir den dunkelsten Punkt und wiederhole das.

Wenn ich das Panorama dann erstelle, mache ich jeweils 2-4 Bilder hintereinander zwischen den beiden ermittelten Verschlusszeiten. Dazu nutze ich die App qDslrDashboard. Im Sky Stack-Modus kann man Aufnahme-Szenarien mit Pausen hinterlegen und immer wieder abspielen. Aber Achtung Die App stellt nicht automatisch auf "manuell" um. Die eingestellten Werte werden im Sky-Stack Modus willkürlich genutzt, wenn noch eine Belichtungs(halb)automatik eingestellt ist. Damit habe ich mir 2 Panoramen vermasselt und damit schmerzlich Lehrgeld bezahlt.

Nun stellt sich die Frage ob man zuerst Einzelbilder zum HDR verarbeitet und die HDR-Bilder als Panorama zusammensetzt. Oder die Einzelbilder nach Belichtungszeit gruppiert, diese dann als Panoramen zusammensetzt und im Nachgang als HDR verarbeitet. Ich habe beides probiert.

Probleme beim HDR auf Panoramen mit verschiedener Verschlusszeit

  • egal welche HDR-Software ich getestet habe. Bei Kugelpanoramen wurden die Übergänge an den äußeren Kanten so verändert, dass die Kanten sichtbar wurden. Wenn könnte man das nur für Teilpanoramen so zu nutzen
  • beim Einzelbild-HDR kann man kleine Verschiebungen von einen Bild zum anderen, die trotz Stativ entstehen, ausgleichen. Das kann man beim HDR mit den Gesamt-Panoramen nicht mehr.
Probleme beim HDR auf die Einzelbilder mit anschließenden Panorama mit den HDR-Bildern

Das Zusammensetzen der Einzelbilder zu HDR mit anschließenden Stitchen ist nicht weniger unproblematisch. Das hängt stark von der verwendeten Software und deren Algorithmus ab. Wenn das Basis-Bild von der Belichtung her erhalten bleibt und nur die Lichter und Tiefen korrigiert werden, dann passt das. Der Algorithmus in LR verschiebt die Belichtung beim HDR. So wurden beim HDR dunklere Bilder etwas aufgehellt, hellere Bilder abgedunkelt. So kam es zu Farbverschiebungen im Panorama (Schränke hatten oben andere Farbe als unten). Gute Erfahrungen machte ich mit Photomatix pro 6 im Modus Fusion.

Der Schatten

Manchmal steht man sich selbst im Weg. Nicht nur das Stativ mit der Kamera wirft Schatten, man selbst auch. Später wirken Schatten, deren Herkunft nicht nachvollziehbar ist, unglaubwürdig. Wenn es möglich ist, sollte man das Stativ so stellen, dass der Schatten davon nicht im Bild ist. Beim Erstellen des Panoramas ist man auch oft, an der Kamera. Auch hier sollte man darauf achten, dass man zum Zeitpunkt der Aufnahme nicht, selbst für Schatten sorgt. Durch Fernauslöser kann man ja aus sichererer Entfernung die Kamera auslösen.

Der Nadir

Bei Kugelpanoramen benutzt man einen Nodalpunktadapter. Die Kamera wird an dem Nodalpunktadapter befestigt und justiert. Der Nodalpunktadapter sitzt auf dem Stativ (meist am Leveler oder Stativkopf angebracht). Danach wird zeilenweise das Motiv abfotografiert. Bei den letzten Bildern wird dann die Kamera nach unten (zum Nadir) gerichtet, so dass der Boden fotografiert wird. Zwangsläufig wird das Stativ mit abgelichtet. Die Bilder sind trotzdem wichtig. Ich mache immer 2 Nadirbilder um 90° versetzt.

Nun markiere ich mir, wo das Stativ stand (lege mir z.B. Steine markant in die Mitte) und mache viele Freihandaufnahmen, achte dabei dass sie einigermaßen in der Höhe wie die Nadirbilder sind , auch dass ich die Kamera nicht schief halte, die Steine ebenfalls in der Mitte sind.
Nun hängt es von der Software, auch von der Qualität der Freihandaufnahmen ab, ob man sie für das Panorama direkt nutzen kann. PTGui Pro hatte keinerlei Probleme. Beim Panorama Studio klappte das einmal perfekt, das andere Mal saß ich Stunden, setze Knoten nach und hatte trotzdem wenig Erfolg. Die Freihandaufnahmen sorgten für unsaubere Übergänge.

Ich fand einen Trick im Internet. In der Bildbearbeitung legt man über die Nadirbilder die Freihandaufnahmen, richtet diese aus, gleicht sie farblich an und maskiert die Bereiche wo das Stativ zu sehen ist. In der Panoramasoftware benutzte ich keine Freihandaufnahmen sondern nur die retourchierten Nadirbilder, schon klappte das Zusammenfügen.

Präsentation mit Pannellum

Multiresolution mit Pannellum

Pannellum ist ein toller Bildbetrachter, der ohne Plugins/Flash auskommt, da er den Standard HTML5 nutzt. Bei meiner Bastelei stieß ich auf das Problem, daß die Bilder nur in einer kleinen Auflösung zumutbar sind. Es gibt ein Verfahren das nennt sich Multiresolution, wobei mehrere Auflösungen für das Panorama hinterlegt werden und je nach dem wie weit man ins Bild herein zoomt, ein Teil mit höherer Auflösung nachgeladen wird.

KRPano kann Panoramen bereits in dieser Form speichern. Aber auch Pannellum bietet ein kleines verstecktes Tool an um sphärisches Panorama in eine kubische Projektion mit mehreren Auflösungen umzuwandeln.

Folgende Schritte sind unter Window 64 Bit notwendig

  • runterladen von Pannellum https://pannellum.org/download/ und entpacken runterladen und installieren von Hugin http://hugin.sourceforge.net/download/
  • runterladen und installieren von Python https://www.python.org/downloads/windows/
  • in der Kommandozeile folgendes ausführen (damit fehlende Bibliotheken nachladen)
    py -m pip install Pillow
    py -m pip install Image
  • das gewünschte Bild unter den Pannellum-Verzeichnis/utils/multires ablegen
  • in der Kommandozeile in das Verzeichnis wechseln und folgenden Befehl ausführen
    py generate.py --quality=87 -n "C:\Program Files\Hugin\bin\nona.exe" mein_pano.jpg
Nun legt das Skript einen Ordner "output" an, in diesem befinden sich alle notwendigen Unterordner, sowie ein Datei config.json. Der Inhalt der Datei dient als Vorlage für unsere Webseite. z.B. inhalt der json-Datei
{
    "type": "multires",
    
    "multiRes": {
        "path": "/%l/%s%y_%x",
        "fallbackPath": "/fallback/%s",
        "extension": "jpg",
        "tileResolution": 512,
        "maxLevel": 4,
        "cubeResolution": 2424
    }
}


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